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Swisscoy

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Zwischen zwei Welten

Über 5000 Schweizer Soldaten waren seit 1999 im Kosovo. Leila Chaabane leistete bis April 2016 ihren Einsatz in der Swisscoy. Was motivierte sie dazu? Welche Erwartungen hatte sie an die Arbeit? Was umfasste die Ausbildung in der Schweiz? Wie verlief der Einsatz? Wo gelangte sie an Grenzen? Ihr Fazit nach der Rückkehr? Einblicke, Hintergründiges, Emotionen, multimedial erzählt.
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Was bringt eine Frau ohne Militärerfahrung dazu, der Swisscoy beizutreten und im Kosovo einen sechsmonatigen Einsatz zu leisten? Was beinhaltet die Ausbildung? Wie verläuft der Einsatz auf dem Balkan? Eine multimediale Reportage in fünf Kapiteln.

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Die neue Aufgabe

Einsatz als Presseoffizier bei der KFOR im Kosovo.

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27 Frauen leisten ihren Dienst im 33. Kontingent der Swisscoy. Viele von ihnen haben noch keine militärische Erfahrung. Während der Ausbildung in Stans findet eine auf zwei Wochen verkürzte Rekrutenschule statt.

Im Einsatz sind vor allem die beruflichen Fähigkeiten aus dem Zivilleben gefragt. Swissint sucht für die Auslandeinsätze Juristinnen, Ärztinnen, Pflegefachfrauen, Lastwagenfahrerinnen, Logistikerinnen, Presseoffiziere.

Link zu allen Anforderungsprofilen der Swisscoy hier

Link zum Swissint-Flyer über Frauen in der Friedensförderung hier
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Vorbereiten

Über die Motivation für einen Auslandeinsatz.

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Die Schweizer Armee engagiert sich in mehr als einem dutzend friedenfördernden Auslandeinsätzen in Europa, Asien und Afrika. 300 Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten leisten ihren zeitlich befristeten Dienst. Das Kompetenzzentrum Swissint in Stans ist die nationale vorgesetzte Kommandostelle.
(Quelle: Swissint)

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Die Wohnung

Untervermietet während dem Einsatz.

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Eine kurze Reise
in eine neue Welt.
Der erste Tag der Ausbildung.
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Der erste Tag

Einrücken nach Stans in das Ausbildungszentrum.

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Eine multinationale Truppe unter der Leitung der NATO beendete 1999 den Kosovo-Konflikt. Basis des anschliessenden friedenserhaltenden Einsatzes ist die UNO-Resolution 1244. Seit Oktober 1999 engagiert sich die Schweizer Armee mit der Swisscoy im Kosovo. Das nunmehr 33. Kontingent ist von Oktober 2015 bis April 2016 im Einsatz. Die Swisscoy umfasst derzeit 235 Militärangehörige.
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Drei Tarnanzüge, drei Hemden, ein Wollpullover, zwei Paar schwarze Kampfstiefel, eine Fleecejacke, zwei Berét, ein Paar Wüstenstiefel, vier Paar Socken, zwei Paar Handschuhe, drei Leibchen, zwei Gürtel, eine Schirmmütze, Unterwäsche, ein Wetterhut, Thermounterwäsche, ein Arbeitsregenschutz, ....

Und manchmal partiell massgeschneidert.
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Uniform

Material und Kleider fassen im Zeughaus.

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150 Kilogramm persönliches Material für den Einsatz:

ABC-Schutzmaske, Aluminiumkiste, Beret, Computer, Dosimeter, Entgiftungspulver, Erkennungsmarken, Ersatzmagazine, Feldflasche, Gehörschutzgerät, Gehörschutzpfropfen, Gradabzeichen, Grundtrageinheit, Handy, Helm, Helmüberzug, IVP, Kampfrucksack, Kampfstoff-Nachweispapier, Kleidung, Ladekabel, Munitionstasche, NATO-Marschbefehl, Ordonanzpistole, Pistolenputzzeug, Reglemente, Reinigungsset, Schlafsack, Schlafsackeinlage, Schreibzeug, Schutzhandschuhe, Soldatenmesser, Sonnenbrille, Splitterschutzweste, Tagesrucksack, Tasche, Taschenlampe, Trinkflasche, Uniform, Verbandsabzeichen, Verbandsmaterial, Vorhängeschloss, Wäschesäcklein, Zwischenverpflegung.
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Die Ausbildung








Für Leila Chaabane die erste Begegnung mit militärischen Umgangsformen im korrekten Tenue, Schiesstraining, Märsche, Kameradschaft, Fachausbildung, mentales Training, Umgang mit fremden Kulturen. In Stans bereitet sich das 33. Kontingent der Swisscoy auf den friedensfördernden Einsatz im Kosovo vor.
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Zahlen, Fakten, Schätzungen

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Schönstes Erlebnis: Kameradschaft

Anzahl Liegestütze: Um die 200

Anzahl geladene 9-Millimeter-Patronen: ein ganzes Lager

Anzahl Fussmarschkilometer: gefühlte 1000

Schwierigstes Erlebnis: Schlechte Kommunikation

Durchschnittliche Schlafstunden: 6

Durchschnittliche Arbeitsstunden: gefühlte 24

Kilos abgenommen: 3

Anzahl gebrochener Fingernägel: von Beginn weg abgeschnitten

Anzahl telefonierte Minuten: maximal 2 Stunden

Anzahl Ausbildungstage: 56

Getrunkene Liter Wasser: ein See

Schwerster Rucksack: 23 Kilogramm mit Splitterschutzweste

Anzahl gefahrene Autokilometer: 1000

Anzahl Urlaubstage: Die Wochenenden und ein Montag

Anzahl Komplimente: in der Sportkleidung viele

Anzahl Pflaster auf Fuss geklebt: kein einziges

Anzahl Pflaster auf die Hand geklebt: 15

Anzahl blaue Flecken: hunderte

Verschlafene Morgen: keiner

Schlaflose Nächte: fünf

Übermüdete Tage: letzte zwei Wochen im Ausbildungskurs

Stunden Freizeit: wenig

Abgelehnte Verehrer: es hat mir noch keiner den Hof gemacht

Neue Freundschaften: vier und viele wertvolle Kameradschaften

Franken für Militärutensilien: 0

Getrunkene Liter Bier: 5

Anzahl Kaffees: jenseits von gut und böse

Wie oft im Theorieunterricht eingeschlafen: nie










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Am Strassenrand

Die Soldaten helfen nach einem Verkehrsunfall.

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«Die Kommunikation in der Gruppe ist sehr wichtig. Ohne vorherigen Austausch und klare Rollenverteilung kommen wir mit überraschenden Situationen wie einem Verkehrsunfall nur schwer klar.»

Leila Chaabane

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Kaffee und Zigaretten

Der Kontakt zur lokalen Bevölkerung.

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«Ich denke, die Übungen waren realitätsnah. Wir gingen beispielsweise mit der einheimischen Bevölkerung Kaffee trinken. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich das im Kosovo erleben werde.»

Leila Chaabane


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Überfahrenes Schaf

Verhandlungsgeschick ist in kritischen Situationen gefragt.

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«Ich bin sehr positiv überrascht. Ich habe nicht erwartet, dass während der Ausbildungszeit in Stans so schnell so viel Kameradschaft entsteht.»

Leila Chaabane

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Politische Diskussion

Strassensperre während der Patroullienfahrt.

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«Die Übung mit der Strassenblockade war für mich sehr eindrücklich. Ich konnte trotz des Agressionspotentials, das in der Luft lag, ruhig bleiben, die Gemüter besänftigen und die Anliegen der Anwohner aufnehmen.»

Leila Chaabane

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Fotogalerie

Bilder, die während der Ausbildung entstanden sind.

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Bereit zum Einsatz

Das Fazit am Ende der zweimonatigen Ausbildung in Stans.

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Der Einsatz

Kampfmittel beseitigen, Ausrüstung transportieren, Infrastruktur betonieren, die Sorgen der Bevölkerung abhören, Informationen beschaffen, Logistik, zivile Strukturen überwachen und fördern. Die Aufgaben der Swisscoy im Kosovo sind vielfältig.
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«Aus Sicht des Bundesrates bleibt der Einsatz der Swisscoy weiterhin erforderlich. Die Stabilität Südosteuropas liegt im Interesse der Schweiz», bilanziert der «Swisscoy-Bericht 2015» an die aussenpolitischen und sicherheitspolitischen Kommissionen des National- und Ständerates. «Die politischen Institutionen in Kosovo waren 2015 noch immer beschränkt handlungsfähig und die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes bleiben bedenklich.» Ethnische Spannungen, Korruption, Kleinkriminalität und fehlende Stärke der lokalen Behörden führen die Autoren an, weshalb der internationale Einsatz nach bereits 16 Jahren Dauer nötig bleibt. Aufgrund der desolaten wirtschaftlichen Lage verlassen junge und desillusionierte Arbeitskräfte das Land. Demonstrationen, organisiert von der Opposition, arten in Gewalt aus. Mehrere hundert Dschihadisten kehrten aus Syrien und dem Irak zurück und finden im Kosovo einen Rückzugsort.

Die Swisscoy-Truppenstärke beträgt seit Beginn des Einsatzes im Oktober 1999 zwischen 180 und 235 Armeeangehörige. Nothilfe, Wiederaufbau und Sicherheit standen zuerst im Fokus. Die Schweizer Armee hatte schweres Baugerät und bewaffnete Radschützenpanzer im Einsatz. Die Swisscoy umfasst heute Fachpersonal aus verschiedensten Truppengattungen: Der Geniezug erstellt militärische Bauten. Spezialisten machen nicht explodierte Kampfmittel unschädlich. Ein Aufgabenschwerpunkt liegt in der Logistik und dem Transport, sowohl auf dem Boden wie in der Luft. Im 32. Kontingent 2015 flogen die Super Puma’s 258 Flugstunden, Baumaschinen waren 2986 Stunden im Einsatz.

Die Truppe ist auf derzeit sieben Standorten über den ganzen Kosovo verteilt, in vier internationalen Militärcamps sowie in drei LMT-Häusern, wo militärisches Personal Bindeglied zwischen Bevölkerung und KFOR darstellt. Die kleinen Teams, seit 2010 operativ, haben engen Kontakt zur Bevölkerung, beschaffen Nachrichten und Informationen. Diese werden im KFOR-Hauptquartier ausgewertet und ermöglichen dem Kommando, die Lage im Kosovo fundiert einzuschätzen. Eine weitere wichtige Aufgabe der Swisscoy.

Das Jahresbudget für den Swisscoy-Einsatz belief sich über die Laufe der Jahre stets auf rund 44 Millionen Franken. Mit über 30 Millionen Franken sind Personalkosten der grösste Posten. Betriebsausgaben lagen bei knapp über 6 Millionen Franken. Für den Lufttransport wurden über 4 Millionen ausgegeben.

(Quelle: Bericht 2015 über die Swisscoy zuhanden der Eidgenössischen Räte)









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Der Hauskommandant

Fachoffizier Benjamin Mauchle versteht seine Arbeit als Bindeglied zwischen KFOR und Bevölkerung.

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«Die LMT sind die Augen und Ohren der KFOR, um die Anliegen der Bevölkerung aufzunehmen. Wir erfahren die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Probleme und Sorgen der Menschen. Die täglichen Meldungen an das KFOR-Hauptquertier ermöglichen dort ein Gesamtbild der Lage im Kosovo.»

Benjamin Mauchle, LMT-Hauskommandant in Malishevo (Archivbild 2003)
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Die Anlaufstelle

Fachoffizier Benjamin Mauchle kennt die Sorgen der lokalen Bevölkerung in der Region um Malisevo.

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Ein serbisches Grossreich beherrscht im 14. Jahrhundert weite Teile in Südosteuropa mit wichtigen religiösen Zentren im heutigen Kosovo. 1389, die Schlacht am Amselfeld, Ursprung für Legenden, epische Dichtung, Kult und Nationalmythen. Der Ort liegt nahe des heutigen Pristina. Die Schlacht ist Teil der Türkenkriege auf dem Balkan. Ein serbisches Heer mit Koalitionstruppen des bosnischen Königs vertreten das byzantinische Reich. Sie stehen dem osmanischen Heer gegenüber, das seinen Einfluss auf den ganzen Balkan ausdehnen will. Ein klarer Sieger geht aus der Schlacht nicht hervor, die Anführer beider Seiten kommen ums Leben. In der Folge weiten die Osmanen ihren Einfluss auf dem Balkan aus und dominieren das Gebiet über Jahrhunderte.

Skanderbeg, ein albanischer Fürstensohn und Geisel des osmanischen Sultans, tritt an seinem Hof zum Islam über, steigt zum Heerführer auf. Doch er wendet sich vom Sultan ab, konvertiert vom Islam zum Katholizismus und vereinigt verschiedene albanische und slawische Fürstenhäuser. Angriffe des osmanischen Reiches wehrt er bis zum seinem Tode 1486 erfolgreich ab (im Bild seine Statue in Pristina). Fortan gilt er in der westlichen Welt als Verteidiger des Abendlandes.

Die nationalistische Bewegung der Albaner im 19. Jahrhundert besinnt sich auf den unbesiegten Helden zurück und sieht in ihm den Gründer eines albanischen Staates. Anfang des 16. Jahrhunderts erobern die Osmanen weite Gebiete des Balkans, viele Albaner konvertieren zum Islam. Bis Ende des 19. Jahrhunderts ist die Region Teil des osmanischen Reiches. Serbien annektiert das Gebiet des heutigen Kosovo während der Balkankriege 1912/13. Die Grenzziehung zwischen Albanien, Mazedonien und Serbien nach dem ersten Weltkrieg hat bis heute Bestand. Im zweiten Weltkrieg wird der Kosovo 1941 nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht und dem Niedergang des Jugoslawischen Reiches Albanien zugeschlagen, dies wiederum unter Herrschaft der Italiener. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wird Kosovo Provinz in der Volksrepublik Jugoslawien, ein Vielvölkerstaat, zusammengehalten von Josip Broz Tito.

Nach dem Tod des Staatsführers im Frühling 1980 brechen ethnische Konflikte aus. Anfang der 1990er-Jahre zerbricht Jugoslawien. Kosovo bleibt Teil Serbiens. Slobodan Milosevic lässt das kosovarische Parlament und die Regierung in Pristina auflösen. Durch die Kriege in Slowenien, Kroatien und Bosnien verlieren hunderttausende Menschen ihr Leben. Trotz ethnischer Spannungen kommt es im Kosovo jedoch nicht zu kriegerischen Handlungen. Die Untergrundorganisation UCK beginnt sich zu formieren und verübt ab Mitte der 1990er-Jahre Bombenanschläge auf serbische Polizei und staatliche wie auch zivile Einrichtungen.

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Albaner wie Serben sehen im Gebiet des heutigen Kosovo ihre Wurzeln. Die Region ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Schauplatz von Kriegen. Im Umfeld der Balkankriege in den 1990er-Jahren im damaligen Jugoslawien kämpft die paramilitärische UCK, selbsternannte Befreiungsarmee des Kosovo, 1998/99 für die Unabhängigkeit der serbischen Provinz gegen serbische Polizei- und Militäreinheiten. Ethnische Konflikte flammen immer wieder auf. Im Sommer 1998 intensivieren sich die Kämpfe zwischen serbischen Einheiten und der UCK. Politische Vorstösse des Weltsicherheitsrates zeitigen keinen Erfolg. Am 24. März 1999 greift die NATO in der Operation Allied Force in den Konflikt ein, bezeichnet als «humanitärer Kriegseinsatz». Die NATO bombardiert während fast drei Monaten militärische und zivile Infrastruktur der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien. Hundertausende Menschen flüchten aus dem Gebiet, 53 000 in die Schweiz. Die Opferzahlen sind widersprüchlich. Das UN-Kriegsverbrechertribunal beziffert im Jahr 2002 10 000 albanische Kriegsopfer. Die serbische Regierung spricht von 2000 bis 3000 toten Serben und nicht-Albanern.

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Die multinationale Truppe unter der Leitung der NATO kommt 1999 nach dem Kosovokrieg in den Einsatz. Basis für das Mandat ist die Resolution 1244 der Vereinten Nationen (UN), beschlossen am 10. Juni 1999. 40 Nationen sind zu Beginn mit 50 000 Soldaten beteiligt. Im Laufe der Jahre sinkt die Truppenstärke kontinuierlich. 2016 sind rund 5000 Soldaten aus 31 Ländern im Kosovo stationiert. Truppen stellen 29 europäische Staaten, Kanada sowie USA. Die KFOR unterstützt per eigener Definition die Entwicklung von professionellen, demokratischen und multiethnischen Strukturen.
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Das Schiesstraining

Im Kosovo trainiert die Truppe regelmässig den Schusswaffengebrauch.

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Militärische Gewalt ist in den Rules of Engagement festgehalten. Diese Einsatzregeln, für jeden Einsatz neu definiert, haben die Soldaten der Swisscoy schon während ihrer Ausbildung mit Pistole und Sturmgewehr trainiert. Bei einer möglichen Bedrohung entscheiden Sekundenbruchteile. Ein zögerlicher Entscheid kann sich ebenso fatal auswirken wie eine Überreaktion. Angehörige der Swisscoy mussten in keinem der bisherigen Kontingente ihre Schusswaffe einsetzen.
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Der Job

Bei der Swisscoy sind Fachspezialisten im Einsatz, die für ihr eng umgrenztes Aufgabengebiet eine grosse Erfahrung einbringen.

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«In Kontakt mit den Menschen vor Ort komme ich eher wenig, das gehört nicht in meinen Aufgabenbereich. Manchmal darf ich LMT-Observer begleiten, was mir tiefere Einblicke in das Leben der Bevölkerung ermöglicht.»

Leila Chaabane
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Der Kontingentskommandant

Oberst Georg Kaufmann befehligt das 33. Kontingent der Swisscoy im Kosovo. Ihm sind 220 Soldatinnen und Soldaten unterstellt.

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Bereits seit 1953 – mit der zwei Jahre dauernden Korea-Mission – sind Soldaten der Schweizer Armee in friedensfördernden Missionen tätig. Ein 150 Soldaten starkes Kontingent war 1989/90 in Namibia und erbrachte primär medizinische Hilfe. Seit 1990 sind Militärbeobachter weltweit im Einsatz, derzeit im Nahen Osten, im Kongo, Südsudan, in Mali, Korea, der West-Sahara sowie im Kaschmirgebiet. Beobachtungs- und Verbindungsteams sind in Bosnien-Herzegowina. Delegationen der Schweizer Armee waren auch in Kroatien, Tadschikistan, Afghanistan, Äthiopien, Eritrea, Georgien, Nepal, Syrien und Burundi. Das weitaus grösste Engagement leistet die Swisscoy seit 1999 im Kosovo.

 (Quelle: Swissint)
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Die Realität

Die Ausbildung in der Schweiz – der Einsatz im Kosovo. Ein Vergleich.

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Newborn. Drei Meter mächtige Buchstaben aus verschweisstem
Stahlblech stehen unverrückbar vor dem im sozialistischen Styl erbauten monströsen Jugend-, Kultur- und Sportpalast in Pristina. Zuerst waren die jungen Symbole versehen mit unzähligen Unterschriften, dann bemalt mit den Flaggen der Länder, die den Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt haben, später mit militärischen Tarnmustern gestaltet. Bemalt und zerkritzelt erinnern sie nun an den 17. Februar 2008. Newborn. Ein neues Land. Ein neuer Stolz. Symbol für Aufbruch, beliebtes Fotomotiv.

Neu erbaute Autobahnen durchziehen das Land. Inflationär wurden Autowasch-Garagen eröffnet. Diese sind auch gut frequentiert. Auf mehr
Kundschaft warten die zahllosen Hotels entlang der Hauptverkehrsrouten. Nun hat ein Bauboom in und um Pristina eingesetzt, ein riesiges Erdloch wird
südwestlich des Zentrums mit Stahlbeton befüllt, die Schilder zeigen den monumentalen Wohn- und Geschäftskomplex, der hier dereinst stehen soll.

Die Bevölkerung ist weniger enthusiastisch. Taxifahrer schimpfen ungefragt über korrupte Regierungsbeamte, unfähige Politiker, die nur die eigenen Interessen im Kopf hätten. An den Strassen wünschen sich einige Sprayer mit ihren Schmierereien die Eulex aus dem Land, die im Auftrag der Europäischen Union den Aufbau der zivilen Strukturen überwacht und unterstützt. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung ist spürbar. Besitz ist ungleich verteilt. Auf den Strassen fahren Nobelkarrossen neben Rostlauben. Gediegene Restaurants in den Querstrassen von Pristinas Fussgängerzone sind am Abend fast leer. Nur die Cafés sind gut frequentiert.

Bilder aus dem Regierungssitz schaffen gelegentlich den Weg in westliche Medien. Die Opposition zündet im Parlament Tränengasgranaten. Die Menschen, die so stolz auf ihr Land sind, scheinen sich nicht auf einen Weg einigen zu können, dieses gemeinsam aufzubauen. Radikale Kräfte träumen von einem Grossalbanien, zusammen mit dem Kosovo und Teilen Mazedoniens. Die Korruption, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel stellen im Kosovo ein grosses Problem dar. Auf den zweiten Blick hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Die Wirtschaft wächst kaum, die Arbeitslosigkeit ist enorm hoch, die öffentliche Infrastruktur ist teils in einem erbärmlichen Zustand. Achtlos weggeworfener Müll verschandelt eine an sich schöne Landschaft.

Bis Ende 2008 hatten 53 Staaten den Kosovo anerkannt und vielfach diplomatische Beziehungen aufgenommen. Inzwischen bezeichnen mehr als 100 der annähernd 200 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen den Kosovo als eigenständigen Staat, darunter fast alle europäischen Staaten, die USA, Kanada und Australien. Russland, China, Indien, viele weitere asiatische, südamerikanische und afrikanische Staaten sehen den Kosovo weiterhin als Provinz Serbiens – das den Kosovo weiterhin als eigenes Territorium betrachtet. Obwohl sich die Weltgemeinschaft mit ihrem Milliardenengagement auch für ein multiethnisches Gebiet einsetzte, ist davon nur wenig zu spüren. Die verbliebenen Serben leben in klar abgeschotteten Dörfern oder im Norden des Kosovo um Mitrovica. Die desolate wirtschaftliche Lage veranlasste viele Kosovo-Albaner und Roma in jüngerer Zeit zur Flucht. Insbesondere im Frühling 2015 kehrten viele Menschen ihrem Land den Rücken. Im Zeitraum von November 2014 bis Oktober 2015 ersuchten 100’000 Menschen in sieben europäischen Staaten um Asyl, alleine 45'544 in Ungarn, 40'326 in Deutschland, 3971 in Österreich und 687 in der Schweiz (Quelle: Bundesamt für Migration).

Eine Einfallstrasse nach Pristina heisst Bill Klinton Bulevardi. Dönerbuden, Supermärkte, Reisebüros und Beautysalons wechseln sich ab. Zuoberst an einem Wohnhaus prangt überdimensional das Bild des lächenden Bill Clinton, das über die Jahre verblasst. Er wird als Befreier gesehen, als Held. Auf dem Vorplatz des Hauses hebt der mit grünen Farbbeuteln beworfene frühere amerikanische Präsident aus Bronze die Hand, daneben seit Jahren passend das Kleidergeschäft Hillary mit einer Auslage, so farbenprächtig wie
die Buchstaben vor dem Stadion. Newborn.






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Zuhause im Container

Die Privatsphäre ist auf 20 Quadratmetern eingepfercht. Das Bett ist genormt, der Schrank ist standardisiert, auch der Stuhl
ist Armeeeigentum. Bilder und Poster sind individuelle Farbtupfer in der Containermonotonie. Ab 22.30 Uhr herrscht verordnete Nachtruhe. Am Wochenende zwei Stunden später.
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Das Leben im Container

Der Arbeitsplatz und das Zuhause liegen nur einige Schritte auseinander. Die Privatsphäre findet auf 20 Quadratmetern statt.

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«Wir alle haben die gleichen Möbel, das gleiche Bett, den selben Schrank, und trotzdem sieht jeder Container in seinem Inneren anders aus. Ich habe eigene Bettwäsche gekauft und eigene Kissen aus der Schweiz mitgenommen.»

Leila Chaabane
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«In vielerlei Beziehung ist dieser Einsatz für mich eine grosse Lebensschule. Die Kameraden unterstützen mich in allen Lebenslagen, das beeindruckt mich sehr. Man kann hier einander aber auch nicht ausweichen. Die unvermeidbaren Konflikte zu lösen, der zwischenmenschliche Aspekt, das gehört zu dieser Lebensschule.»

Leila Chaabane
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Die Kameradschaft

Zwangsgemeinschaft für acht Monate, Freundschaften darüber hinaus?

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Zahlen, Fakten, Schätzungen

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Gelesene Bücher: Viele mitgenommen und eines gelesen

Geplante Bettlektüre: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami

Verschlafen: nie

Buchstaben in den Computer getippt: Milliarden

Schuss Munition abgefeuert: 450

Anzahl neue Menschen getroffen: Unschätzbar viele

Wie oft Schneeketten montiert: Zum Glück noch nie

Kilometer gefahren: 800

Kilos zugenommen: 0

Kilometer gejoggt: 25

Franken für Militärutensilien investiert: 30 Euro. Halterung für zwei Pistolenmagazine und Handschuhe

Anzahl Ferientage: 23

Unterstützungsmails erhalten: Viele, sicher 50. Nein, noch mehr

In der Achtungsstellung gestanden: 3 Mal pro Woche jeweils kurz am Antrittsverlesen des Kommandanten

Austausch mit Soldaten anderer Nationalitäten: Griechen, Österreicher, Deutsche, Iren, Italiener, Amerikaner

Stunden im Fitnessraum: viel zu wenige

Stunden vor dem Fernseher: 2 – James Bond

Päckli erhalten: viele viele, und ich hoffe, es hört nicht auf

Die schönste Überraschung im Päckli: geheim

Kilogramm Schokolade erhalten: eine halbe Fabrik

Handgeschriebene Briefe in der Post: 8

Neue Freundschaften: sehr sehr viele

Liebschaften: (lächelt)

Eindrücklichste Erlebnis: Unterstützung, die ich hier erhalte. Alle sind füreinander da. Das erlebt man ausserhalb des Militärs nicht.







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«Die Verbindung zu meinen Kameraden und nach Hause via Telefon, WhatsUp oder Skype ist mir unglaublich wichtig. Wenn hier die Internetverbindung lahmliegt, ist das schon eine grössere Katastrophe.»

Leila Chaabane
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Der Ausblick

Einige Soldaten verlängern ihren Einsatz im Kosovo um sechs Monate. Einige kehren an ihren früheren Arbeitsplatz zurück, andere sind auf Jobsuche.

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Der Abschied







Sechs Monate im Kosovo. Ein Lebensabschnitt ist zu Ende. Wieder zuhause. Das Material zurück ins Zeughaus, die Einsatzmedaille in die Wohnung. Die Erinnerungen an eine abwechslungsreiche, herausfordernde Zeit im Kopf. Abschied von lieb gewonnenen Kameraden. Willkommen geheissen von der Familie.
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Divisionär Jean-Marc Halter

Der Chef Führungsstab der Armee dankt für den Einsatz des 33. Kontingentes der Swisscoy im Kosovo.

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«Die Offenheit gegenüber uns, der KFOR, hat mich sehr beeindruckt, zu spüren, dass wir dort wirklich willkommen sind. Die Menschen kommunizieren sehr offen mit uns und sind gleichzeitig interessiert an unserem Land. Nicht nur wir fragen. Der Kosovo ist ein sehr schönes Land und hat viel zu bieten.»

Leila Chaabane



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«Ende September 2015 habe ich Sie aufgefordert, stolz zu sein, auf Ihren Entscheid, dass Sie sich freiwillig für diesen Einsatz gemeldet haben. Auch heute fordere ich Sie auf stolz zu sein. Seien Sie stolz auf das, was Sie auf sich genommen haben, dass Sie ihre Familien und Freunde, ihre Heimat verlassen haben, um sich für den Frieden und die Sicherheit im Kosovo einzusetzen. Heute sind wir hier, um diesen Einsatz mit der Abgabe der Einsatzmedaille würdig zu beenden.»

Oberst Georg Kaufmann, Kommandant Swisscoy 33







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Emotionen

Ein letztes Mal in Achtungsstellung auf dem Kasernenareal in Stans. Das 33. Kontingent der Swisscoy ist Geschichte.

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Die Ausrüstung geht zurück ins Zeughaus, Stück für Stück, auf der Liste visiert, wird gewaschen, gereinigt, repariert, kontrolliert, etikettiert, verstaut, bereit für den nächsten Einsatz.
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Ausblick

Nachhause fahren, die eigene Wohnung geniessen, ankommen.

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Konzept, Text, Fotografie, Video, Schnitt: Robert Hansen

Trommelwirbel in Kapitel 5: Mil Spiel Log Br 1 unter der Leitung von Lt Simon Lüthi

Die multimediale Reportage ist im Zeitraum von Juli 2015 bis April 2016 entstanden.

www.derarbeitsmarkt.ch
www.roberthansen.ch
kontakt@roberthansen.ch






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