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baustelle

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Im Herzen Zürichs rissen Bauarbeiter mit schwerem Gerät eine ganze Wohnsiedlung nieder. Der Fotograf Andreas Bartholdi begleitete den Abriss von Anfang an und dokumentierte vor Ort während sieben Monaten die Bauarbeiten.

Im Frühjahr 2017 fielen die ersten Steine der über 90 Jahre alten Wohnsiedlung an der Erikastrasse in Zürich. Im Sommer folgte der Aushub für das neue Gebäude.

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Wo einst ein lauschiger Innenhof war, befindet sich heute eine Baustelle. Die alte Siedlung gehört der Vergangenheit an.

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Die Wohnsiedlung wurde 1924 vom Architekten Otto Streicher im Auftrag der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ) erbaut. Erstbezug war am 1. Juli 1925. Insgesamt sind sieben Mehrfamilienhäuser mit 53 Wohneinheiten auf 1947 Quadratmetern entstanden. Die Kopfzeile hob sich durch ein zusätzliches Geschoss, in dem sich die 4-Zimmer-Wohnungen befanden, von den hinteren Häusern ab.

Damals lagen die Mietpreise in der Wohnsiedlung bei 64 Franken für eine 1-Zimmer-Wohnung und bei 119 Franken für eine 4-Zimmer-Wohnung. Bis zum Jahr 1927 war im Erdgeschoss die Geschäftsstelle der ABZ untergebracht, danach ein Coiffeurgeschäft.

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Für den Abbruch wurde der Caterpillar 345B eingesetzt. Dieser Abbruchbagger hat ein Gewicht von 58 bis 67 Tonnen bei einer Reichweite von 26 bis 28 Metern, je nachdem, mit welchem Unterwagen der Bagger ausgerüstet ist.

Der Caterpillar ist mit einer Wasserleitung und Spritzdüsen ausgerüstet. Benötigt wird das Wasser, um den Staub beim Abriss zu binden. Damit das Wasser über die Düsen verteilt werden kann, wird das System an einen Hydranten angeschlossen.

Die Böden der Küchen und Badezimmer waren betoniert und mussten mit dem sogenannten Beisser zerkleinert werden. Eine solche Betonschere hat eine Beisskraft von gut 310 Tonnen. Der Greifer hingegen dient nur zum Pflücken von Holzbalken und weicherem Material. Der Wechsel vom Greifer zum Beisser ist heute mit dem Oilquick (Schnellwechsler oder Schnellwechselhydraulik) viel komfortabler als früher. Das System erkennt, welches Gerät angeschlossen wird, und regelt den Öldruck automatisch.










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Baggerfahrer aus Leidenschaft

Hanspeter Kobler, ursprünglich gelernter Metzger, ist seit 35 Jahren als Baggerfahrer tätig. Zuerst bei der Firma Eberhard Bau AG und dann bei der Toggenburger AG. Die Arbeit macht ihm immer Spass, auch die Herausforderungen sind mit dabei. Für ihn geht die Anstellung bei Toggenburger allerdings bald zu Ende, da er im Frühjahr 2018 pensioniert wird. Doch auch nach der Pensionierung will Hanspeter Kobler als Aushilfe bei der Firma Toggenburger AG weiterarbeiten.

Ansonsten wird Kobler seinen Hobbys nachgehen, wie Motorrad fahren und mit seinem Wohnwagen den Urlaub geniessen. Aber zuerst geht es nach der Pensionierung für drei Monate nach Costa Rica zu seiner Schwester.

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Die Schutzwand ist eine dicke Gummimatte, die verhindert, dass Bauschutt auf die Strasse fällt und womöglich jemand zu Schaden kommt.

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An den Ecken des Gebäudes bestand das Problem, dass die Gummimatte nur an einer Seite für Sicherheit sorgte. Hanspeter Kobler hatte Angst, dass die ungesicherte Seite einstürzen könnte. Guter Teamarbeit und perfekten Handgriffen ist es zu verdanken, dass der ganze Abbruch ohne Zwischenfälle verlief.

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Polier mit grosser Verantwortung

Die Ausbildung hat Marcel Graf als Baumaschinenmechaniker bei der Firma Toggenburger gemacht. Nach der Ausbildung ging er zuerst zehn Monate als Durchdiener zum Militär und fing dann als Maschinist beim Rück- und Erdbau an. Die Vorarbeiterschule schloss er in Sursee im Kanton Luzern ab. Als seine erste Tochter zur Welt kam, machte er ein Jahr Pause, bevor er mit der Polierschule in Sursee startete, die er 2015 mit eidgenössischem Titel abschloss.

Seine Tätigkeit auf der Baustelle umfasst die ganze Koordination des Bauablaufs in Absprache mit dem Bauführer und seinen anderen Baustellen, die Abstimmung mit Subunternehmern sowie die Personal- und Ablaufplanung des Aushubs an der Erikastrasse.

Marcel Grafs Ziel für das Jahr 2018 ist, die Bauführerschule zu machen und weiterhin für die Firma Toggenburger zu arbeiten. Seine Freizeit verbringt er mit seinem Motorrad und dem Modellbau ferngesteuerter Flieger sowie natürlich mit seiner Familie.










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Auf einer Baustelle packen alle mit an. So auch der Polier Marcel Graf.

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Schweres Gerät braucht schweres Gerät. Um den Caterpillar 345B zu transportieren, wird ein grosser Schwertransporter benötigt. Da der Verlad aus Platzgründen nicht auf der Baustelle durchgeführt werden konnte, musste er auf der Hauptstrasse davor gemacht werden. Für Hanspeter Kobler bestand dadurch nur die Möglichkeit, den Abbruchbagger seitlich auf den Tieflader zu verladen. Der Schwertransport ist mit Hydraulik ausgestattet, sodass die ganze Fläche bis zum Boden abgesenkt werden kann.

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Dank stark dimensionierter Komponenten und fettgeschmierter Ketten erreicht der robuste L-Unterwagen des Caterpillar 345B eine lange Nutzungsdauer. Die Spurverstellung erleichtert den Transport der Maschine.

Je nachdem, in welchem Einsatzgebiet gearbeitet wird, stehen drei Unterwagen für verschiedene Baggertypen zur Verfügung.

L-Unterwagen
Breite Spur und grosse tragende Kettenlänge des L-Unterwagens verhelfen dem Bagger zu Standsicherheit bei allen Arbeiten.

HV-Unterwagen
Mit der optionalen hydraulischen Spurverstellung erreicht der HV-Unterwagen eine Arbeitsbreite von 3600 Millimetern (Bodenplatten 600 Millimeter), während sich die Transportbreite auf 3000 Millimeter verringern lässt. Das Aus- beziehungsweise Einfahren der Laufwerksschiffe dauert nur knapp eine Minute.

ES-Unterwagen
Für Schwersteinsätze kann der 345C L auf Wunsch mit
 dem Unterwagen des 365C L ausgerüstet werden, ohne die günstige Transportbreite von drei Metern zu überschreiten.










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Bei einer Überbreite des Baggers müssen Signaltafeln angebracht werden. Damit der Caterpillar 345B nicht vom Tieflader abrutschen kann, wird der Abbruchbagger mit Ketten gesichert. Obwohl der Lastwagen mit Bagger als Schwertransport gilt, müssen keine Begleitfahrzeuge dabei sein. Dies ist nur noch ab einer gewissen Grösse vorgeschrieben.

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Mit dem 49 Tonnen schweren Trägerbohrgerät BG 15H werden mittels Endlosschnecken Bohrlöcher in regelmässigen Abständen ins Erdreich gebohrt. Die Maschine hat eine maximale Drehzahl von 36 Umdrehungen pro Minute und eine Höhe von 18 Metern.

In die Bohrlöcher werden die Stahlträger (Stahlwalzprofile HEA und HEB) für die Rühlwände eingelassen. Die Dimension der Träger ergibt sich aus der Baugrubentiefe, den seitlichen Belastungen sowie den anstehenden Bodenarten. Die Bohrlöcher werden mit Kies aufgefüllt, bei lockeren Böden können die Stahlträger auch direkt ins Erdreich einvibriert werden.

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Rühlwände (auch Trägerbohlwände genannt) – in der Regel Stahlträger (Stahlwalzprofile HEA, HEB oder seltener HEM) – sind ein kostengünstiges und flexibles Baugrubenverbausystem. Der horizontale Abstand der Träger liegt zwischen 1,5 und 3 Metern. Die Breite ergibt sich aus den statischen Gegebenheiten und der Standfestigkeit des Bodens. Die maximale Tiefe pro Etappe liegt zwischen 1 und 2 Metern. Im oberen Bereich wird häufig Rundholz von 20 bis 25 Zentimetern Durchmesser verwendet. Beim Rückbau ist es einfacher, die Rundhölzer zu entfernen, als Beton abzuspitzen.

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Die Stahlträger, auch Doppel-T-Träger genannt, werden mit einem Schneidbrenner und etwa 1500 Grad Hitze auf die richtige Länge zugeschnitten.

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Spritzbeton (Gunit) wird nach der Herstellung mittels geschlossener und überdruckfester Rohr- oder Schlauchleitungen zur Verwendungsstelle befördert, durch Spritzen aufgetragen und dabei verdichtet.

Gunit ist eine Art Leim und besteht aus Zement sowie Zusatzstoffen wie Sand, Splitt und Wasser. Je nach Anwendungsgebiet und gewünschten Eigenschaften können weitere Zusatzstoffe und -mittel hinzugefügt werden, etwa Silikafume (Flugasche), um die Dauerhaftigkeit und das Bindungsverhalten zu verbessern. Ein weiteres Mittel ist Kalksteinmehl, um die Partikelmatrix zu verfeinern.

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Der Volvo EC 220D mit etwa 23 Tonnen Gewicht ist nicht der grösste Bagger, aber genauso effektiv. Wie der Caterpillar 345B besitzt auch der Volvo EC 220D ein Oilquick-System (Schnellwechsler oder Schnellwechselhydraulik).

Auch in der Fahrerkabine ist die Technik fortgeschritten. Fast alles wird automatisch geregelt: So wird zum Beispiel das Gas bei Nichtgebrauch sofort ins Standgas heruntergeschaltet und der Bagger nach ein paar Minuten selbständig ausgeschaltet. Weniger Handgriffe sind nötig, um eine höhere Produktivität zu erzielen.

4000 Kubikmeter Mischabbruch (Bauschutt) und 1000 Kubikmeter Beton wurden an der Erikastrasse mit dem Bagger Volvo EC 220D aufgeladen und abtransportiert. Das sind etwa 295 Fünf-Achs-Muldenkipper mit je 17 Kubikmetern Inhalt. Dazu kommen noch all die Mulden mit Material wie Holz, Metall und vielem mehr.

Das Gesetz schreibt vor, dass alles, was im Abbruchhaus installiert ist – also Metall, Kabel und so weiter –, aussortiert und separat entsorgt werden muss. Wenn das Entsorgungsgut von Anfang an sauber getrennt wird, können diejenigen, die den Brecher (Zerkleinerungsmaschine) mit dem Mischabbruch bedienen, speditiver arbeiten. Aus dem Mischabbruch wird Recyclingmaterial hergestellt.










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Im Normalfall ist Reco-Magerbeton ein erdfeuchtes Kies-Zement-Gemisch im Verhältnis 8:1. Seinen Namen verdankt der Magerbeton dem nur geringen Zementanteil von 100 bis 200 Kilogramm pro Kubikmeter. Es wird Kies mit einer Körnung von 0 bis 16 oder 0 bis 32 Millimeter verwendet. Man verwendet Magerbeton hauptsächlich für Füllungen, die druckfest sein müssen, für Sauberkeitsschichten (Fundament oder Sohlen) und zum Ausgleich von Unebenheiten im Untergrund.

Magerbetons mit niedrigem Zementgehalt dürfen niemals für stahlbewehrte Bauteile verwendet werden. Diese Betons enthalten weniger rostverhinderndes Calciumhydroxid, Ca(OH)2, und sind auch weniger dicht, was beides zur Eisenkorrosion beiträgt.

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Maschinist mit Kampfgeist

Basha Arsim arbeitet seit sieben Jahren bei der Firma Toggenburger AG. Davor war er als Bauarbeiter bei der Firma Eberhard Bau AG tätig. Der gebürtige Kosovare lebt seit 2001 in der Schweiz. Bevor er auf dem Bau anfing, arbeitete er als Privatdetektiv in Deutschland. Um mit einem Bagger zu arbeiten, musste Basha Arsim in Sursee Kurse absolvieren, die mit praktischer Arbeit verbunden waren.

Jede Baustelle ist eine neue Herausforderung. Komplikationen können auftreten, die dann den Zeitrahmen beeinflussen. So kann es passieren, dass sich die Arbeiten um mehrere Tage, ja sogar Wochen verzögern. Der Abriss an der Erikastrasse war eher ein kleines Projekt. «Auf anderen Baustellen gibt es grössere Gebäude, die einen wirklich herausfordern», sagt Basha Arsim. Den Beruf als Maschinist auf dem Bagger will er am liebsten bis zur Pensionierung beibehalten. «Allerdings weiss niemand, was die Zukunft bringt», meint Arsim. Wenn er das Alter für den Ruhestand erreicht habe, werde er die Dinge so nehmen, wie sie kämen. «Am liebsten möchte ich auf langen Spaziergängen einfach die Natur geniessen. Für mein Hobby, den Kampfsport, werde ich dann vermutlich zu alt sein», so Basha Arsim.










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Für die Arbeiten am Neubau, die schon beginnen, während die Firma Toggenburger AG noch mit den Aushubarbeiten beschäftigt ist, werden zwei Turmdrehkrane benötigt. Einer davon ist der Liebherr 202 EC-B 10 Litronic. Dieser Turmdrehkran mit einer maximalen Höhe von 63,1 Metern und einem Ausleger von maximal 65 Metern hebt bei diesen Ausmassen ganz aussen am Ausleger immerhin noch zwei Tonnen Gewicht.

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Seitenansicht und Grundriss mit Innenhof der neuen Wohnsiedlung «Lucy» mit rund 60 Wohnungen für ältere Menschen. Im Erdgeschoss entstehen gemeinschaftliche Räume und Läden. Im zentralen Garten befinden sich zahlreiche Sitzgelegenheiten und Nischen, die dem Aufenthalt dienen und die gemeinschaftliche Stimmung unterstützen.

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Die fast hundertjährige Wohnsiedlung wurde im Frühling 2017 dem Erdboden gleichgemacht. Die Wohnungen entsprachen nicht mehr dem heutigen Standard. Eine Renovierung wäre aufwendiger gewesen als ein Neubau.

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Aus dem offenen, einstufigen Architekturwettbewerb ging das Projekt «Lucy» von Zita Cotti Architekten AG aus Zürich als Sieger hervor. Bis zum Erstbezug gibt es noch viel zu tun, die Arbeiten sind in vollem Gange.

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Realisation:
Andreas Bartholdi

Historische Bilder:
Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Grafik und Bauplan:
Zita Cotti Architekten AG
www.cottiarch.ch

Musikauswahl:
Andreas Bartholdi

Seite 5: «Timeline»
Seite 24 - 27 «Citylights»
www.frametraxx.de

Seite 16:
Twisted Kevin MacLeod (incompetech.com)
Licensed under Creative Commons: By Attribution 3.0
http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/
www.incompetech.com

Projektleitung:
Renato Barnetta

Gesamtverantwortung:
Robert Hansen
Chefredaktor www.derarbeitsmarkt.ch

Kontakt:
redaktion@derarbeitsmarkt
andy-bartholdi@kreativ-fotografie.ch

Mit Unterstützung:
www.toggenburger.ch
www.jms-risi.ch

© «der arbeitsmarkt», November 2017









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