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Der einsame Dirigent der Baustelle

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Der Kranführer

 «Du bestimmst den Takt auf der Baustelle.» So beschreibt der Schweizerische Baumeisterverband auf seiner Homepage unter anderem den Beruf des Kranführers. Damit der Klang der Baustelle nicht verstummt, muss der Kranführer seine Arbeit mit höchster Konzentration ausführen und den Tagesablauf kennen. Nicht nur ein grosses Mass an Zuverlässigkeit und ein gutes Augenmass sind Grundvoraussetzungen für diesen Beruf. Hoch oben über seinen Arbeitskollegen muss der Dirigent der Baustelle vor allem eines können: alleine sein.

  
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Name:  Machado Carneiro
Vorname:  Jose Manuel
Alter:  37 Jahre 
Grösse:  1,83 Meter
Gewicht:  78 Kilo
Geburtsort:  Vieira do Minho, Portugal
In der Schweiz seit:  1998

Besonderes Merkmal:  Seine Tattoos
Hobby:  Fussball
Lieblingsgetränk:  Ein Red Bull pro Tag, Wasser  
   

Wichtige Voraussetzung für seine Arbeit:  Darf keine Höhenangst haben

 




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Jose über Einsamkeit, Toilettengang und Dates in luftiger Höhe

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Die Ausbildung zum Kranführer ist mit dem Erwerb des Führerausweises fürs Auto vergleichbar. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Nach einem dreitägigen Grundkurs erhalten die angehenden Kranführer den Lernfahrausweis. Erst nach 600 Stunden Praxis auf der Baustelle – davon 150 Stunden Fahrpraxis auf dem Kran – kann die Prüfung abgelegt werden.

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Jose Machado Carneiro arbeitet seit 14 Jahren als Kranführer und seit 2012 für die Firma Spleiss AG.

Aus den Lautsprechern seiner kleinen Musikanlage erklingen oft Lieder aus seinem Heimatland Portugal, wo seine Eltern und Freunde von ihm leben. Wird er unten auf der Baustelle einmal nicht gebraucht oder halten seine Arbeitskollegen in der 9-Uhr-Pause einen gemütlichen Schwatz, nutzt er das Alleinsein und sinniert über sein Leben. Über seine kleine Familie in der Schweiz – Jose ist verheiratet und hat eine 13-jährige Tochter und einen 7-jährigen Sohn –, über den nächsten Urlaub in Portugal oder auch mal über seinen Lieblings-Fussballverein FC Porto.

Lange dauern die Pausen nicht. Jose beugt sich wieder nach vorne, legt beide Hände an die «Steuerknüppel» und setzt den Kran in Bewegung.

 


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«Jose ist einer der schnellsten Kranführer, die ich kenne. Er führt den Kran mit einer bemerkenswerten Präzision. Ich arbeite sehr gerne mit ihm zusammen.»

Patrick Iten, 35, ist Baustellenchef und arbeitet seit neun Jahren für die Firma Spleiss AG. Er ist verantwortlich für einen reibungslosen Ablauf des Rohbaus. Auf der Baustelle im Zürcher Kreis 4 führt er ein 8- bis 15-köpfiges Team.


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Der Kran

Sie sind überall zu sehen. In Städten, in Dörfern und auf dem Lande. Ihre Farbe: rot. Ihr Name: Wolff.

Ob nur einige Meter über dem Boden oder weit über 100 Meter in den Himmel ragend, eins ist ihnen gemein – sie sind Kraftpakete und heben mehrere Tonnen. Und sie brauchen alle einen Kranführer, der sie vom Boden fernsteuert oder in schwindelerregender Höhe aus der Führerkabine bedient.

   
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Name:  Wolff
Vorname:  122 SL
Alter:  30 Jahre
Höhe:  35,5 Meter
Gewicht:  80 bis 90 Tonnen
Geburtsort:  Heilbronn, Deutschland
In der Schweiz seit: 1985

Besonders Merkmal:  Ändert Gewicht und Grösse 
Hobby:  Sich mit dem Wind drehen
Lieblingsgetränk:  Strom

Wichtige Voraussetzung für seine Arbeit: Darf keine Schrauben locker haben

   
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Jose über Lieblingskran, Namensgebung und Freundschaft

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Die Firma Spleiss AG kaufte diesen Wolff-122-SL-Kran. Der Aufbau und die Demontage dürfen nur von ausgebildeten Kranfachleuten durchgeführt werden. Die Spezialisten benötigen dafür jeweils etwa einen Arbeitstag.     

Ist der Kran betriebsbereit, liegt die Verantwortung bei Kranführer Jose. Die Kontrollrichtlinien der Suva sind streng, und Jose muss nebst den täglichen Kontrollen auch eine monatliche Checkliste durchgehen. Die Kranverordnung schreibt vor, dass die technischen Daten und der «Lebenslauf» des Krans im Kranbuch der Suva dokumentiert sind.
Zudem wird ein Kran, der älter als 30 Jahre ist, jährlich von einem Kranexperten der Suva überprüft.

   
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Weshalb dreht sich ein Kran, auch wenn der Kranführer längst zuhause ist?

Jeder Autofahrer weiss, was er tun muss, wenn er sein Auto parkiert: Handbremse anziehen. Jose macht das Gegenteil. Wenn er seinen Kran verlässt, löst er die Bremse (Schwenkbremse), damit die Windfreistellung aktiviert ist, sich der Ausleger frei in den Wind drehen kann und diesem möglichst wenig Angriffsfläche bietet.
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Die Zusammenarbeit

Jose ist konzentriert, seine Haltung noch mehr nach vorne und unten gebeugt. Der Kran bewegt sich schneller und wackelt stärker. Auf der Baustelle fahren in regelmässigen Abständen tonnenschwere Betonmischer ein. Das Betonieren muss zügig vorangehen. Deshalb hat Polier Patrick Iten zusätzliche Arbeiter auf die Baustelle geordert.


  

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Bereits am frühen Morgen muss Jose schauen, dass seine Kollegen pünktlich mit der Arbeit beginnen können.
Denn bevor er den Kran in Betrieb nehmen kann, steht ihm noch sein zweiter Arbeitsweg bevor – in der Vertikalen.

    
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Wie viele Tritte er erklimmt, weiss Jose nicht. Er hat sie noch bei keinem Kran gezählt.
Schätzungsweise zwei Minuten brauche er für die 35,5 Meter hoch.

Im Winter ist Jose nicht ganz so schnell. Frost und Schnee erschweren ihm den Aufstieg, und er muss vorsichtig sein, damit er nicht ausrutscht.


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Jose über saubere Hände, Pensionierung und Angst

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Vier Tonnen wiegt der volle Betonkübel. Jose weiss, wie viel sein Kran heben kann und wie weit er diese Last beim Ausleger nach vorne fahren darf.

Wie schnell das zähflüssige Gemisch vom Lastwagen zu den Bauarbeitern kommt, hängt von Joses Geschick mit dem Kran und den präzisen Angaben des Poliers via Funk in die Führerkabine ab. Ist der Betonkübel in der Nähe der Bauarbeiter, beugt sich Jose ganz nach vorne und schaut zum Fenster hinaus. Seine Arbeitskollegen weisen ihn mit Handzeichen in die richtige Position. 





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Wenn es Nacht wird über der Baustelle

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Ich danke der Firma Spleiss AG für ihr Einverständnis, dieses Multimediaprojekt auf ihrer Baustelle umsetzen zu dürfen.

Ein grosses Dankeschön an Kranführer Jose Machado Carneiro und Polier Patrick Iten für die tolle Zusammenarbeit. Danke, dass wir die vielen Kameras und Stative, Wasser und Gipfeli nicht selbst hochtragen mussten. Wir hatten auch ohne Gepäck bei weitem länger als zwei Minuten für den Aufstieg.

Für uns ein unvergessliches Erlebnis.
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Konzept: Leila Chaabane
Fotos: Denise Ferrarese 
Video, Schnitt und Text: Leila Chaabane
Redaktion: Robert Hansen

Kontakt: leila_chaabane@hotmail.com
info@derarbeitsmarkt.ch

© «der arbeitsmarkt», Mai 2015

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